Warum das Ein-Liter-Auto bis heute nicht gebaut wurde

Veröffentlicht am 01. Feb 2013 | Kategorie: Auto & Verkehr | Ansichten: 2.440

Wenn Autohersteller ein neues Modell heute als besonders sparsam und umweltfreundlich anpreisen, dann liegt der Verbrauch meist um die vier Liter, bei größeren Fahrzeugen teilweise auch um die fünf oder sechs Liter auf 100 Kilometer. Dabei kann man eigentlich getrost davon ausgehen, dass die Technik längst weiter wäre und das Ein-Liter-Auto längst Realität auf den Strassen sein könnte. Schließlich hat Volkswagen seine Studie „L1″ bereits erstmals auf der IAA 2009 der Weltöffentlichkeit präsentiert und längst gab es mit dem „XL1″ sogar einen Nachfolger.

Die Volkswagen-Studie L1 auf der IAA 2009:

Liegt es also an den Autoherstellern? Trauen sie sich nicht, eine echte Revolution zu vermarkten, liegt es an den Interessen der Wirtschaft und Investoren, die weiter genug Erdöl in Form von Benzin und Diesel verkaufen wollen? Ganz so abwegig erscheint auch der zweite Gedanke nicht, wenn man bedenkt, dass das ölreiche Emirat Katar mit 17% einer der größten Anteilseigner an Volkswagen ist, gleiches gilt auch für andere Autohersteller wie etwa die Daimler AG, bei denen Kuwait zu den größten Anteilseignern gehört. In beiden arabischen Staaten basiert der Reichtum vor allem auf Erdöl und darauf, dass die Welt nicht unabhängiger davon wird. Zudem sind es die beiden Staaten mit dem mit Abstand größten ökologischen Fußabdruck, was bedeutet, dass Menschen dort mehr Ressourcen verbrauchen als irgendwo sonst und mehr Emissionen pro Kopf verursachen als in jedem anderen Land. Ob diese Investoren tatsächlich daran interessiert sind, dass der Verauch von Neuwagen auf einen Bruchteil von heute fällt darf sicher bezweiffelt werden.

Der VW XL1 unterwegs im Emirat Katar:

Dennoch wäre es nicht fair, den Autoherstellern die ganze Schuld zuzuschieben, denn auch auf Seiten der Autofahrer zeigt sich häufig ein widersprüchliches Verhalten. Während meist über die hohen Kosten – insbesondere natürlich über die hohen Spritkosten – geklagt wird, erfreuen sich gerade SUVs immer größerer Beliebtheit und auch die durchschnittliche Motorleistung ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Besonders sparsame Modelle werden hingegen oft von den Autokäufern verschmäht.

Zu welchen Problemen Autos mit Verbrennungsmotor beitragen können, zeigt sich dabei gerade in den aufstrebenden Schwellenländern wie China, die hierzulande als grandioser Absatzmarkt für Spritschlucker aller Art gepriesen werden. Hätte man stattdessen das Ein-Liter-Auto durchgesetzt, wäre vielleicht auch der gigantische Smog über Peking und anderen Metropolen etwas weniger schlimm.

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