Können Gezeitenkraftwerke eine tragende Rolle bei der Energieversorgung von Großbritannien spielen?

Veröffentlicht am 25. Jan 2013 | Kategorie: Sonstiges | Ansichten: 1.045

Regenerative Energieerzeugung durch Gezeitenkraftwerke hat in jüngster Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen, auch wenn Kritiker eine zu geringe Energieausbeute bemängeln. Untersuchungen im Vereinigten Königreich legen nun nahe, dass bis zu 20% des landeseigenen Energiebedarfs mit Gezeitenturbinen und -dämmen erzeugt werden könnten. Längst in Planung sind hingegen gigantische Offshore-Windparks vor Großbritanniens Küste.

Die Stromgewinnung bei Gezeitenkraftwerken erfolgt über Generatoren, die durch die Wechselwirkung von Ebbe und Flut sowie den zugehörigen Tidenhub angetrieben werden. Geeignete Standorte stellen Meerengen und Flusseinmündungen dar, die hohe Niveauunterschiede zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Wasserstand erreichen. Über einen Kanal wird Wasser vom Meer separiert und durch angeschlossene Turbinen geleitet. Andere Verfahren nutzen natürliche Meeresströmungen aus, die analog zur Windkraft die Turbinenschaufeln bewegen.

Wissenschaftler der University of Liverpool haben nun nachgewiesen, dass Großbritannien durch die Errichtung von Gezeitenkraftwerken bis zu 20% seines Stromvolumens erzeugen könnte. Die Studien der Forscher stimmen zuversichtlich. In einem BBC-Interview geht Nicolas Yates davon aus, dass allein 15% des britischen Elektrizitätsbedarfs durch Gezeitendämme abgedeckt werden könnten. Der Wissenschaftler betont, dass dies allein bereits eine solide Zahl sei. Weitere fünf Prozent könnten durch Turbinen in äußerst strömungsstarken Gebieten geliefert werden, wodurch sich die 25% des Gesamtverbrauchs errechneten.

Aufgrund der Risiken für den Umweltschutz und der hohen Betreiberkosten melden sich jedoch auch Kritiker zu Wort. Sie argumentieren, dass Gezeitenkraftwerke durch die Verschiebung von Gezeitenphasen die empfindlichen Lebensräume in Küstengebieten beeinträchtigten. Eine Vorstudie zur Errichtung des größten Gezeitenkraftwerks der Welt, dem „Severn Barrage“, kommt zu dem Schluss, dass Kosten in Höhe von 34 Milliarden Pfund auf den Betreiber zukämen. Die Wartung der im Salzwasser rasch korrodierenden Turbinen würde zudem weitere Zusatzkosten verursachen.

Außerdem verfügen die britischen Inseln nicht über ausreichend geeignete Einzugsregionen, die einen kostendeckenden Neubau von Gezeitenkraftwerken rechtfertigen würden. Perspektivisch sollten daher zunächst kleinere Schritte angedacht werden, mit denen Erfahrungen gestärkt und die weitere Entwicklung regenerativer Energien auf Basis von Gezeitenkraftwerken gefördert werden können.

Original-Artikel „Neuer Aufschwung für Gezeitenkraftwerke?“, 18. Januar 2013, CleanEnergy Project
Link: http://www.cleanenergy-project.de/erneuerbare-energien/item/5449-neuer-aufschwung-fuer-gezeitenkraftwerke

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