Wie Vater Staat die Strompreise nach oben treibt?

Veröffentlicht am 23. Mrz 2012 | Kategorie: Sonstiges | Ansichten: 3.027

Steigende Preise werden immer wieder als Ärgernis empfunden, vor allem dann, wenn es sich um Energiepreise handelt. Denn Energie wird immer benötigt, unabhängig vom Preis. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass der Staat hierbei kräftig mitverdient.

Von den Benzinpreisen her ist man es als Verbraucher gewohnt, dass ein Großteil über diverse Steuern in die Staatskasse fließt. Ganz ähnlich, nur deutlich weniger bekannt, ist die Tatsache, dass auch der Strompreis durch staatliche Abgaben in die Höhe getrieben wird. Um sich dies zu vergegenwärtigen, ist es notwendig, den Strompreis einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und seine einzelnen Bestandteile der Höhe nach zu vergleichen.

Die Hauptbestandteile des Strompreises

Auch der Strom aus der Steckdose wird, bevor er zum Verbraucher gelangt, ein- und anschließend weiterverkauft. Dies geschieht in Deutschland in erster Linie an der Leipziger Strombörse, der European Energy Exchange. Rund 23 % des Strompreises werden an dieser Stelle bestimmt, Gewinne und Margen der Energieversorgungsunternehmen inklusive. Dabei handelt es sich auch um den einzigen Teil des Strompreises, der nicht vom Staat bestimmt wird.

Denn schon der zweite große Bestandteil unseres Strompreises ist das staatlich regulierte Netznutzungsentgelt. Rund 25 % des Strompreises gehen durch Entgelte an Übertragungsnetzbetreiber und die Verteilnetzbetreiber vor Ort. Bei beiden handelt es sich meist um die Netze der großen Energieversorger, die hier sogar mit einer Monopolstellung aufwarten können. Kleine, regionale Versorger sind daher meist auf die Nutzung dieser Netze angewiesen.

Den größten Teil des Strompreises machen jedoch staatliche Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Mehr als 40 % der Stromkosten wandern also nicht in die Taschen der Konzerne, denen man die Preise am liebsten zum Vorwurf macht. Dieser Teil des Strompreises setzt sich wie folgt zusammen:

  • Konzessionsabgabe
  • KWK-Umlage
  • EEG-Umlage
  • Strom- bzw. Ökosteuer
  • Umlage nach §19 Abs. 2 StromNEV
  • Umsatzsteuer

Konzessionsabgaben sind Abgaben, die vom Energieversorgungsunternehmen an Gemeinden bzw. den Staat gezahlt werden, um das Recht auf die Verlegung von Leitungen und die Nutzung von Wegen zu erhalten. Bei der KWK-Umlage handelt es sich um einen Aufschlag, welcher der Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung dient, also einem Verfahren zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme. Diese kommt vor allem bei der Energiegewinnung durch erneuerbare Energieträger zum Einsatz, wobei es sich beispielsweise um Biogas oder Holzhackschnitzel handeln kann. Die Höhe des KWK-Umschlages richtet sich am Stromverbrauch der Abnehmer aus. Aktuell werden 0,002 Cent pro Kilowattstunde bei einem Jahresverbrauch bis 100.000 kWh erhoben.

Ähnlich verhält es sich mit der EEG-Umlage, denn diese soll generell dem Ausbau der erneuerbaren Energiegewinnung dienen. Konkret handelt es sich dabei um die Mehrkosten von EEG-Strom aufnehmenden Netzbetreibern, welche den Übertragungsnetzbetreibern in Rechnung gestellt werden. Über die EEG-Umlage werden beispielsweise die Einspeisetarife bei privaten Solaranlagen finanziert, was gerne auch als Teil der Solarförderung bezeichnet wird.

Welche Faktoren sind aber nun für die Preissteigerungen am meisten verantwortlich? Am meisten verdient der Staat auch hier über die Umsatzsteuer, die im Jahr 2011 im Schnitt für knapp 4 Cent pro Kilowattstunde verantwortlich zu machen ist. Mit noch immerhin rund 3,5 ct/kWh kam noch die EEG-Umlage hinzu. Vor allem bei einem Vergleich der Jahre 2010 und 2011 wird deutlich, dass der staatliche Anteil am Strompreis stark gestiegen und der 50 %-Marke mit knapp 46 % ein gutes Stück näher gekommen ist.

Wer sich nach diesem Artikel näher für die Preise und Tarife am Strommarkt interessiert, findet hier weitere Informationen und Ratgeber für Verbraucher.

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2 Kommentare
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  1. Es ist schon erschreckend, wie die Preise in den letzten Jahren gestiegen ist, aber jeder kann versuchen etwas zu ändern. Mittlerweile gibt es ja die Möglichkeit die Stromanbieter online miteinander zu vergleichen und so kann man sich für einen günstigen Anbieter entscheiden, aber auch der eigene Verbrauch sollte im Auge behalten werden, denn auch dadurch kann man einiges an Geld einsparen.

  2. […] Wenn der Strompreis wieder einmal steigt, dann sind die Schuldigen schnell ausgemacht: Die erneuerbaren Energien. Denn obwohl die Energiewende von der Mehrheit gewollt ist, sind einem die zusätzlichen Kosten natürlich weniger recht. Die notwendigen Investitionen in Windkraftanlagen, Solarenergie, Bioenergie oder effizientere Technologien wie etwa Blockheizkraftwerke müssen natürlich finanziert werden, allerdings steigt der Strompreis für die Verbraucher auch, weil die Politik wieder einmal fragwürdige Ausnahmeregeln geschaffen hat. […]