Neue EU-Lärmgrenzwerte für Autos: Deutsche Autohersteller und Bundesregierung dagegen

Veröffentlicht am 05. Okt 2011 | Kategorie: Auto & Verkehr | Ansichten: 2.634

Wer dauerhaft einem Lärmpegel von über 65 Dezibel ausgesetzt ist, der ist einem größeren Risiko ausgesetzt, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einen Herzinfarkt zu erleiden. An den Folgen sterben alleine in Europa nach Angaben der WHO pro Jahr etwa 50.000 Mensche. Und da in vielen Städten – auch in Deutschland – oft mehr als 70 Dezibel herrschen, plant die EU-Komission eine Absenkung des aktuell zulässigen Geräuschpegels für Pkw von 74 Dezibel auf nur noch 68 Dezibel ab 2013 (Obergrenze für neue Pkw ab 2015).

Wie bereits bei den von der EU geplanten CO2-Grenzwerten für Autos, wird dieses eigentlich sinnvolle Ziel nun aber wieder von den deutschen Autoherstellern und der Bundesregierung bekämpft. Laut einem Artikel auf Zeit Online hat die Regierung unter Kanzlerin Merkel eiligst ein eigenes Positionspapier dazu verfasst, in dem zwar der gleiche Höchstwert gilt, allerdings nicht ab 2015, sondern erst zehn Jahre nach In-Kraft-Treten der neuen Richtlinie – also frühestens Anfang des nächsten Jahrzehnts. Zudem fordert die Deutsche Regierung umfassende Ausnahmeregelungen für hochmotorisierte Fahrzeuge mit mehr als 120 kW/t. Luxuslimousinen, PS-starke SUVs und Sportwagen sollen ihrem Willen nach in Zukunft nicht nur weiter mehr CO2 in die Atmosphäre ausstoßen dürfen, sondern die Anwohner in den Städten auch mit mehr Lärm belästigen dürfen als Fahrer von kleineren oder weniger stark motorisierten Pkw.

Kritik am Kurs der Bundesregierung kommt dabei nicht nur von nationalen und internationalen Umweltverbänden, sondern auch vom Autoexperten, Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. „Hier prescht Frau Merkel wieder einmal vor – wie schon bei den CO2-Grenzwerten – um Schutzräume vor allem für die deutschen Autobauer auszuhandeln“, kritisiert Dudenhöffer. Dabei wären seiner Ansicht nach längst deutlich effizientere und leisere Antriebe möglich und sowohl technisch und wirtschaftlich realisierbar. Zu lasche Grenzwerte würden echte Innovationen hingegen verhindern.

Artikel „Verkehrsgeräusch: Lizenz zum Lärmen“, 04.10.2011, Zeit Online
Link: http://www.zeit.de/auto/2011-09/verkehrslaerm-lobby

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