Erneuerbare Energien bald genauso wirtschaftlich wie andere Stromerzeugung

Veröffentlicht am 28. Jan 2011 | Kategorie: Sonnenenergie, Windkraft | Ansichten: 3.989

Laut einer neuen Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE nimmt die Wirtschaftlichkeit von Strom aus erneuerbaren Energiequellen stetig zu, so dass die Erzeugung von echtem Ökostrom bald ebenso lukrativ ist wie etwa Kohlestrom. Insbesondere bei Photovoltaikanlagen würden die Kosten im Vergleich zu anderen Technologien überdurchschnittlich stark sinken, so dass Solarastrom bald mit dem Kostenniveau anderer Stromerzeuger konkurrieren kann. Damit wäre das Hauptargument der „höheren Kosten“ der Erneuerbaren Energien Kritiker außer Kraft gesetzt.

Erneuerbare Energien„Die von uns errechneten Zahlen für Strom aus erneuerbaren Quellen belegen die rasche Entwicklung hin zur Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Strom aus konventionellen Kraftwerken“, erklärt Prof. Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer ISE. Die Studie analysiert die aktuellen Stromgestehungskosten von Technologien der Regenerativen Energieerzeugung anhand technologiespezifischer Systemauslegungen und Anlagenpreise im dritten Quartal 2010. Zur Untersuchung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit bildet die Studie gleichzeitig die zukünftigen Stromgestehungskosten mittels Lernkurven und prognostiziertem Marktwachstum ab. Zudem erlaubt sie Rückschlüsse auf die Entwicklung zukünftiger regulatorischer Rahmenbedingungen sowie die Höhe von staatlichen Preisregulierungen für erneuerbare Energien wie beispielsweise Einspeisetarife.

Da die Kosten für die Stromerzeugung mittels Solaranlagen oder Windkraftanlagen je nach Region (durchschnittliche Sonnenstunden, Windstärke,…) sehr unterschiedlich hoch sein können, beschränkt sich die Analyse nicht allein auf Deutschland. Für Photovoltaikanlagen, solarthermische Kraftwerke und Windkraftanlagen werden unterschiedliche Standortbedingungen berücksichtigt.

Während sich z.B. die Stromgestehungskosten von Photovoltaik-Kleinanlagen in Deutschland auf Kosten zwischen 0,30 €/kWh und 0,34 €/kWh balaufen, können Photovoltaik-Freiflächenanlagen bei südeuropäischer Sonneneinstrahlung bereits Strom ab 0,16 €/kWh produzieren. Selbstverständlich abhängig von der eingesetzten Technologie, den Modulen und der Größe der Anlage. Besonders interessant ist auch das Ergebnis der Studie, dass an Standorten in Südspanien große Photovoltaikanlagen (PV-Parks) im langjährigen Vergleich gegenüber solarthermischen Kraftwerken bei den Stromgestehungskosten deutlich aufgeholt haben.

„Die Analyse der Stromgestehungskosten ergab, dass bei der Photovoltaik die Parität von Endkundenstrompreis und Stromgestehungskosten, die so genannte Grid Parity, in Regionen mit sehr hoher Einstrahlung und hohem Endkundenstrompreis – wie z.B. Süditalien – heute bereits gegeben sein kann“, so Eicke Weber. Die Weiterentwicklung von regulatorischen Rahmenbedingen nach der Grid Parity ist Inhalt weiterer Forschungsarbeiten bei Fraunhofer.

Noch weiter sind bereits die Windkraftanlagen, die laut der Studie bei den Erzeugungskosten schon seit einigen Jahren mit dem Strommix aus konventionellen Kraftwerken, also Kohle- und Atomstrom, konkurrieren können. Windkraftanlagen und Parks auf dem Land oder in flachen Küstengewässern sind allerdings deutlich wirtschaftlicher als die Anlagen in den Offshore-Windparks. Hintergrund sind die geringerer Kosten bei Installation, Netzanschluss und Betrieb.

Insgesamt zeigt die Studie des Fraunhofer ISE eine sehr positive Entwicklung für die erneuerbaren Energien. Dies geschieht auf der Grundlage von Marktentwicklungsprognosen und historisch realisierten Erfahrungskurven, die gleichmäßig verlaufende Kostensenkungen annehmen. Setzt man bei der Photovoltaik voraus, dass die in der Vergangenheit gezeigten hohen Lernkurven anhalten, dann sinken die Stromgestehungskosten zukünftiger PV-Anlagen im Vergleich zu solarthermischen Kraftwerken und zu Windkraftanlagen überproportional. So können bis 2030 Offshore-Windanlagen, in Deutschland installierte Photovoltaik-Kleinanlagen und in Spanien installierte solarthermische Kraftwerke ein Kostenniveau erreichen, das auch für konventionelle, fossile Kraftwerke prognostiziert wird. „In den vergangenen Jahren hat das reale Marktgeschehen meist die Prognosen überholt. Dadurch konnten wir eine in dieser Geschwindigkeit für unmöglich gehaltene Preisdegression bei Photovoltaik, solarthermischen Kraftwerken und Windkraft beobachten. Bei einer weiterhin dynamischen Marktentwicklung erwarten wir, dass die Grid Parity für PV-Strom auch in Deutschland bereits in zwei Jahren erreicht sein wird“, so Institutsleiter Prof. Weber.

News „Erneuerbare Energien auf dem Weg zur Grid Parity – Studie des Fraunhofer ISE belegt positiven Trend zur Wirtschaftlichkeit“, 12.01.2011, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme IS
Link: http://www.ise.fraunhofer.de/presse-und-medien/presseinformationen/presseinformationen-2011/erneuerbare-energien…

Direkt zur Studie: Stromgestehungskosten erneuerbare Energien

Foto: © Rainer Sturm, www.pixelio.de

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1 Kommentar
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  1. Ganz interessant im Rahmen dessen ist auch die Studie „SET For 2020″ der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) in Gemeinschaft mit der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney. Diese betrachtet unterschiedliche Szenarios vom Einsatz von Solarstrom. Behält man die aktuellen Bedingungen bei, wird Solarstrom bis 2010 zwischen 4 – 6 Prozent der EU-Bedarfs an Strom sichern. Entscheiden sich Regierungen, Regulierungsbehörden und die europäische Energiebranche für bessere Bedingungen, könnte man sogar auf bis zu 12 Prozent im PV-Bereich aufstocken.