Leuchtturmprojekt: Wohlhaupter setzt auf saubere Energie aus der Erde

Veröffentlicht am 17. Nov 2010 | Kategorie: Sonstiges | Ansichten: 1.946

Anfang November 2010 wurden beim weltweit renommierten Präzisionswerkzeug­herstellers Wohlhaupter in Frickenhausen im Landkreis Esslingen die neuen Anlagen für eine nachhaltige Energie­versorgung eingeweiht. Seither kommt die Wärme bzw. Kälte für die Klimatisierung der rund 7.500 Quadratmeter großen Verwaltungs- und Produktions­gebäude der Wohlhaupter GmbH hauptsächlich aus der Erde. Im Beisein von Umweltministerin Tanja Gönner und geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft weihte der Hersteller die Wärmepumpen zur Nutzung der Erdwärme ein.

„Dies ist ein Leuchtturmprojekt für eine zukunftsweisende Energieversorgung, das anderen Unternehmen als Orientierung dienen kann“, lobte Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner in ihrer Rede die Entscheidung von Wohlhaupter, die weitsichtige Entscheidung der Firmenleitung. „Unsere Ölheizung war 20 Jahre alt. Daher war Handlungsbedarf im Heizkeller absehbar“, berichtete Frank Wohlhaupter, Geschäfts­führer des mittelständischen Familienunternehmens. „Wir wollten nicht warten, bis die alte Anlage den Geist aufgibt, um sie dann unter Zeitdruck nur gegen ein ähnliches, neueres Modell auszutauschen. Statt dessen beauftragten wir die INNAX ENERGIE & UMWELT AG aus Ostfildern bei Stuttgart mit der Ausarbeitung eines ganzheitlichen Energiekonzepts und anschließend mit dessen Umsetzung. Das Ergebnis: Heute heizen und kühlen wir mit Erdwärme.“ 44 jeweils 95 Meter tiefe Erdsonden liefern Umweltenergie „frei Haus“. Drei maßgeschneiderte eigens für dieses Projekt angefertigte elektrische Wärmepumpen eines ortsansässigen Unternehmens bringen diese Energie auf die für die Heiz- bzw. Kühlanlage nötigen Temperaturen.

Geschäftsführer Rolf Wohlhaupter-Hermann, Landesumweltministerin Tanja Gönner und INNAX-Vorstand Bernd Lörz bei der Einweihung der Anlagen
Fotos: INNAX ENERGIE & UMWELT AG

Mehr Komfort für die Mitarbeiter bei 50 Prozent weniger Energieeinsatz

Mit dem modernen Heizsystem, basierend auf Erdwärmenutzung und der Rückgewinnung von Wärme aus der Produktion, ließ sich der Energieeinsatzes um rund 50 Prozent senken. „Statt bei 757 Megawattstunden liegt er heute bei 376 Megawattstunden jährlich“, konkretisiert INNAX-Vorstand Bernd Lörz. Darüber hinaus kann das System sogar noch mehr leisten, was an heißen Sommertagen vor allem die Mitarbeiter in den Hallen freuen dürfte. „Inbegriffen ist eine weitere Besonderheit der Anlage: Im Sommer arbeiten die Wärmepumpen umgekehrt. Dann erzeugen sie Kälte für die aktive Klimatisierung der Produktionshallen.“ Der immense Energieverbrauch herkömmlicher Klimaanlagen hatte Geschäftsführer Frank Wohlhaupter bisher von der Installation abgehalten. Mit der neuen weitgehend regenerativen Lösung sah das plötzlich ganz anders aus.

Dank dem Contractor waren keine eigenen Investitionen nötig

Während das System langfristig nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll ist, ist die Anschaffung dennoch nicht billig. „Durch die Wirtschaftskrise gingen unsere Umsätze um 50 Prozent zurück und erst langsam sehen wir Licht am Horizont“, sagte Frank Wohlhaupter. „Große Investitionen waren und sind im Moment nicht drin. Umsetzen konnten wir diese Energieversorgungslösung nur, weil uns INNAX ein Contracting-Modell anbot.“ Die INNAX AG tritt als Betreiber auf und investierte selbst in die nötigen Anlagen. Während der Vertragslaufzeit von 20 Jahren zahlt Wohlhaupter einen jährlichen Grundbetrag sowie einen festgelegten Preis pro Kilowattstunde genutzter Energie. „Die Gewinnschwelle liegt bei einem Ölpreis von 60 Cent pro Liter. Steigt der Ölpreis, was anzunehmen ist, kauft Wohlhaupter seine Energie zunehmend günstiger ein, als andere Unternehmen, die noch vom Öl abhängig sind“, erklärte Bernd Lörz.

Win-Win-Situation und nützliche Netzwerke

Umweltministerin Gönner lobte das Contracting-Modell: „Es ist sinnvoll, dass jeder das tut, was er am besten kann. Wichtig dabei ist, dass Vertrauensbeziehungen unter den beteiligten Unternehmen entstehen und man sich aufeinander verlassen kann.“ Das gehe dann am besten, wenn sich Betriebe aus der Region zusammen täten, meinte Frank Wohlhaupter: „Durch unser Projekt entstanden neue Netzwerke und für alle Seiten wertvolle Geschäftsbeziehungen.“ INNAX-Vorstand Bernd Lörz sagte: „Mit dem Projekt Wohlhaupter treten wir den Beweis an, dass wir mit qualifizierten Partnern bereits heute in der Lage sind, hoch komplexe Anlagen wirtschaftlich zu bauen, die in der Zukunft zum Standard gehören werden“ und bedankte sich bei den beteiligten Unternehmen, der Dietrich Erdwärme GmbH, Weilheim, bei Maier Heiztechnik GmbH aus Köngen, der KRT Kälte- und Regelungstechnik GmbH, Wendlingen, der H & N Regeltechnik GmbH, Gennach, sowie der Wohlhaupter-Nachbarin Bock Kältemaschinen GmbH.

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