Wie Mitsubishi Profit mit dem Aussterben einer Fischart machen will

Veröffentlicht am 06. Okt 2010 | Kategorie: Natur & Umwelt | Ansichten: 6.911

Der japanische Konzern Mitsubishi präsentiert sich in der weltweiten Öffentlichkeit gerne als grüner Pionier, der mit dem Elektroauto i-MiEV vor allem auch zu rückgängigen Emissionen und mehr Umweltschutz beitragen will. Allerdings scheint man sich in Wirklichkeit nur sehr wenig für eine intakte Umwelt zu interessieren: Erst im Sommer wurde Kritik laut, dass der Mitsubishi-Konzern laut der großen US-Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council (NRDC) hinter der mehr als umstrittenen, geplanten Pebble Mine in der Bristol Bay, Alaska stehe. Die Mine würde einem der letzten unberührten Gebiete auf dem nordamerikanischen Kontinent erheblichen Schaden zufügen.

Aktuell macht Katja Wiese, Geschäftsführerin von Naturefund e.V., auf ein weiteres Verbrechen des japanischen Konzerns an der Natur aufmerksam: So soll Mitsubishi große Bestände des vom Aussterben bedrohten Blauflossen-Thunfischs aufkaufen und einfrieren. Fischereiexperten und -Expertinnen vermuten, dass Mitsubishi nach dem Aussterben der Art seine tiefgeforenen Thunfischbestände teuer verkaufen will. Der Film „The end of the line“ mit dem deutschen Titel „Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane“, läuft aktuell in Deutschland an und berichtet ausführlich über die Aktivitäten von Mitsubishi im globalen Fischfang. In einem offenen Brief an den Vorstand von Mitsubishi, Deutschland, spricht Katja Wiese das Thema an und fragt nach, ob Mitsubishi absichtlich zur Ausrottung des Blauflossen-Thunfisch beitragen will. Eine Weiterverbreitung des nachfolgenden Briefs ist ausdrücklich erwünscht!

Offener Brief an Mitsubishi:

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Geschäftsführerin der Naturschutzorganisation Naturefund, die in diesem Jahr Partnerin vom Atlantis Natur- und Umweltfilmfest der Stadt Wiesbaden ist. Der Eröffnungsfilm „The end of the line“ mit dem deutschen Titel „Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane“ hat mich sehr betroffen gemacht. Wussten Sie, dass etwa 90 Prozent aller Großfische bereits weggefangen wurden?

Besonders betroffen war ich jedoch über die Nachricht, dass der internationale Konzern Mitsubishi nicht nur Autos und Elektrogeräte verkauft, sondern auch aktiv an der Überfischung beteiligt ist.

Ist es wahr, dass Mitsubishi aktuell 40 bis 60 Prozent vom weltweiten Fang des vom Aussterben bedrohten Blauflossen-Thunfisch aufkauft und einfriert? Sind Sie sich bewusst, dass Ihr Konzern damit direkt zur Ausrottung dieser mittlerweile sehr seltenen Fischart beiträgt?

Der Blauflossen-Thunfisch kommt im Atlantik und im Mittelmeer vor und gilt in Japan aufgrund seines schmackhaften Fleisches als Delikatesse. Er wird vor allem als Sushi verwendet und die Nachfrage nach Sushi steigt weltweit. Da diese Fischart immer seltener wird, steigen auch die Preise für das Fleisch.

Obwohl der Blauflossen-Thunfisch kurz vor der Ausrottung steht, hat Mitsubishi im Jahr 2008 seine Tiefkühl- und Transportkapazitäten ausgebaut und größere, modernere Fischerboote mit dem Fang des Blauflossen-Thunfisch beauftragt. Fischereiexperten und -Expertinnen vermuten, dass Mitsubishi gezielt Tiefkühlvorräte an Blauflossen-Thunfisch anlegt. Wenn es keinen Blauflossen-Thunfisch mehr gibt, können Sie für Ihre geschätzten 60.000 bis 70.000 Tonnen tiefgekühlten Thunfisch einen wesentlich höheren Preis fordern.

Ist es wahr, dass Mitsubishi absichtlich zur Ausrottung des Blauflossen-Thunfisch beiträgt, weil Ihr Konzern, wenn es keinen Blauflossen-Thunfisch mehr gibt, seine tiefgefrorenen Thunfischvorräte mit mehr Profit verkaufen kann? Will Mitsubishi wirklich mit der Ausrottung einer Fischart Geld verdienen?

Die Zerstörung einer Fischart aufgrund einer kurzfristigen Profitabsicht macht keinen Sinn, denn die Menschheit ist von intakten Ökosystemen in den Ozeanen abhängig. Unserer Ansicht nach lässt sich langfristig ohnehin mehr Geld mit stabilen Fischbeständen als mit ihrer Ausrottung verdienen. Zudem ist Mitsubishi ein multinationaler Konzern mit einer Vielzahl von Produkten. Sie sind damit auf ein positives Image und die Zustimmung Ihrer Kunden und Kundinnen angewiesen.

Um diese Frage zu klären, bitte ich Sie, uns innerhalb von zwei Wochen zu antworten. Vielleicht ist Mitsubishi derzeit dabei, seine Fischereipolitik zu überdenken und nachhaltig zu gestalten. Darüber würden wir uns sehr freuen und Ihnen anbieten, mit Naturefund zusammenzuarbeiten. Mit seinem großen Netzwerk kann Naturefund Mitsubishi dabei unterstützen, den seltenen Blauflossen-Thunfisch zu erhalten, ein positives Image zu erlangen und langfristig mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik Geld zu verdienen.

Unsere Anfrage an Sie haben wir mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen abgestimmt. Doch nicht nur Naturefund, sondern auch viele andere Menschen wollen wissen, inwieweit Mitsubishi den Blauflossen-Thunfisch ausrotten oder ihn bewahren will. Transparenz ist zur Klärung dieser Frage entscheidend. Daher verschicken wir diesen Brief bundesweit als Pressemitteilung und veröffentlichen ihn gleichzeitig im Internet. Wir werden Ihre Antwort ebenso offen diskutieren und parallel dazu auch in Englisch sowie Japanisch veröffentlichen.

Bitte haben Sie keine Angst vor einer transparenten Diskussion. Der Film „The end of the line“ ist bereits veröffentlicht und die darin genannten Informationen über Mitsubishi werden intensiv diskutiert. Transparenz und ein gemeinsamer Austausch kann für Ihren Konzern hilfreich sein, um tatsächlich nachhaltig zu arbeiten und die breite Zustimmung der Öffentlichkeit zu erlangen. Naturefund begleitet und unterstützt Sie gerne auf diesem Weg.

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1 Kommentar
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  1. Hallo ,
    die Weiterverbreitung des Briefes ist OK aber bitte an welche Mitsubishi-Corporation denn ?
    Der Autobauer Mitsubishi ist wohl der falsche Empfänger .
    Deswegen liebe Briefschreiberin Katja Wiese erst mal über „Mitsubishi“ recherchieren im Internet.

    Grüsse

    Ulrich , 06.01.2012

    Mitsubishi-Outlander-Fahrer