PETA Gründerin zur Ölkatastrophe: Gigantischste Tierquälerei aller Zeiten in der Geschichte der USA

Veröffentlicht am 18. Jun 2010 | Kategorie: Natur & Umwelt | Ansichten: 2.555

Bilder und Videos von der Ölkatastrophe, die das Sinken der Ölbohrinsel Deepwater Horizon ausgelöst hat, und von der man bis heute nicht weiss, wie sie endlich aufgehalten werden kann, werden jeden tag über die Medien verbreitet. Traurigerweise wird in den meisten Berichten vor allem auf die enormen wirtschaftlichen Schäden und Kosten für BP eingegangen. Während sich mit den zugesagten 20 Milliarden Dollar von BP wohl für die Menschen am Golf von Mexiko einiges entschädigen lässt, ist der Natur und den betroffenen Tieren damit wenig geholfen. Damit ihr vom Menschen verursachtes, gigantisches Leiden nicht vergessen wird, veröffentlichen wir hier einen Leserbrief von Ingrid E. Newkirk, Gründerin und Vorsitzende der weltgrößten Tierrechtsorganisation PETA (People for the ethical treatment of animals / Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren):

Im Hinblick auf die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko muss sich BP für den Verlust menschlichen Lebens, die Zerstörung der Lebensgrundlage unzähliger Menschen und die Schädigung des lokalen Tourismus verantworten. Gleiches gilt für die Beamten, die ihren Segen dazu gaben, dass der Ölkonzern seine Profitgier über wichtige Sicherheitsbelange hinwegsetzte.

Das Ermittlungsverfahren gegen BP und die für die Genehmigung der Inspektionsprotokolle und das Sicherungssystem der Ölplattform Verantwortlichen bringt unter Umständen vorsätzliche Täuschung und Irreführung, Pflichtversäumnis, Bestechung und der Himmel weiß was sonst noch an den Tag. Doch welche Straftaten BP letztlich auch zur Last gelegt werden, ein weiteres bedeutendes Verbrechen, für das die Ölgesellschaft verantwortlich ist, darf man auf keinen Fall vergessen, und das ist Tierquälerei. Denn die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist die gigantischste Form von Tierquälerei in der gesamten Geschichte der Vereinigten Staaten.

Die Medien zeigen uns nur wenige Bilder des Grauens. Verstörende Fotos von toten und sterbenden Tieren; Fotos von Seevögeln, die nicht nur mit einer Ölschicht bedeckt sind, sondern bis auf die Haut von klebrigem Öl durchdrungen sind, und denen ein langsamer und qualvoller Tod gewiss ist. Manche glauben, dass uns solche schrecklichen Fotos aus politischen Beweggründen vorenthalten werden, wer weiß. Vielleicht ist es auch besser so, denn für jeden mitfühlenden Menschen ist es grauenhaft zu sehen, wie Möwen oder Pelikane unter einer dicken Schicht schwarzer, zäher Ölmasse zu ersticken drohen und weder fliegen, Futter suchen, Wasser trinken noch der sengenden Junihitze entfliehen können. Es ist schon schlimm genug, Aufnahmen zu sehen, auf denen eine riesige, in einem Gummihandschuh steckende Hand behutsam versucht, eine winzige Krabbe aus einer schwarzen, wabbeligen Öllache zu retten. Es lässt sich nur erahnen, um welches Tier es sich dabei handelt, das da in dem klebrigen Film verzweifelt um sein Leben kämpft.

Für die meisten der betroffenen Tiere allerdings kommt jede Hilfe zu spät. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Reinigungsaktion für ölverschmierte Vögel, die im letzten Augenblick noch gerettet werden, in hohem Maß traumatisch ist. Die Vögel erleiden panische Angst, wenn sie vom Menschen angefasst, zwangsernährt, in Wasser getaucht und gesäubert werden. Häufig ist diese Strapaze für das kleine Tierherz zu anstrengend. Selbst von den Tieren, welche die wiederholte, für sie mit großem Stress verbundene Reinigung überleben, werden nach Meinung von Experten die meisten nach ihrer Freilassung in die Natur dennoch sterben.

Angesichts der derzeitigen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko stellt sich ohnehin die Frage, wo diese Vögel denn überhaupt freigelassen werden können. Viele Vogelarten bilden lebenslange Paargemeinschaften, andere können ohne ihren Schwarm nicht überleben. Die Nistplätze der Tiere sind nun aber unter einem dicken Ölteppich begraben, ihre Freunde und Familienmitglieder sind tot oder werden sterben. Ihr Lebensraum ist zerstört und bietet ihnen keine Lebensgrundlage mehr. Und was ist mit den betroffenen Schildkröten, den Delfinen und, so schwer die Vorstellung auch fällt, den Walen im Golf von Mexiko? Meeresexperten befürchten, dass selbst die Wale dem riesigen Ölteppich nicht vollständig entkommen werden. Kommen die Meeresriesen, die früher ihres eigenen Öls wegen gejagt und getötet wurden, jetzt in unserem Öl um?

Auch wenn dies für manche Menschen absurd klingen mag, aber auch das Schicksal der zahllosen Fische sollte nicht vergessen werden. So ungern man beim Anblick eines sommerlichen Seefrüchte-Büfetts zwar daran erinnert werden mag, aber Studien haben nachgewiesen, dass das Schmerz- und Angstempfinden von Fischen dem von Säugetieren in gleichem Maße entspricht.

Unabhängig davon, ob BP nun der Tierquälerei bezichtigt wird oder nicht: Jeder einzelne von uns kann und sollte selbst etwas tun und nicht allein BP die Schuld in die Schuhe schieben. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, mit denen wir den Ölgesellschaften ihre Machtstellung absprechen können, wie beispielsweise den eigenen Ölverbrauch einzuschränken oder weniger Plastikerzeugnisse zu kaufen, die ja bekanntlich aus Öl hergestellt werden. Das käme nämlich nicht nur den Stränden der Atolle in Hawaii zugute, die unter massenweise aus dem Meer angeschwemmtem Plastikmüll mittlerweile regelrecht begraben sind. Eine weitere Möglichkeit, zum Schutz unserer Flüsse, Meere, Wälder und der Ozonschicht beizutragen, haben die Vereinten Nationen erst diesen Monat mit ihrer Empfehlung aufgezeigt, sich zur Bekämpfung der Auswirkungen der Erderwärmung künftig vegan zu ernähren.

Nicht zuletzt das von Paul McCartney ins Leben gerufene Konzept des „Fleischfreien Wochentags“ trägt dazu bei, das Bewusstsein in staatlichen Einrichtungen und bei Verbrauchern für den maßlosen Energieverbauch der Massentierhaltung und die daraus resultierende Umweltzerstörung zu sensibilisieren und konsequenterweise ihren Fleischverzehr künftig einzuschränken. Auch das Image des US-Präsidenten Barack Obama würde zweifelsfrei davon profitieren, wenn sich der Präsident der Idee des „Meat-Free Monday“ anschließen und mit diesem einfachen Schritt seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten würde.

Die für die Ölkatastrophe Verantwortlichen, sowohl seitens BP als auch seitens der Regierung, werden die Auswirkungen dieses Desasters niemals wieder gutmachen können. Wie will man Lebewesen entschädigen, die genau in diesem Augenblick weit draußen auf dem Meer unter der Ölpest leiden und qualvoll daran sterben? Doch auch wenn uns zum zigsten Mal beim Betrachten des Fotos eines ölverschmierten Pelikans das Herz bricht, können wir mehr tun, als uns einfach abzuwenden. Jeder einzelne von uns hat die Möglichkeit, einen positiven Beitrag zum Schutz unserer Erde zu leisten – einfach, indem wir unsere Lebens- oder Ernährungsgewohnheiten auf die eine oder andere Weise ändern. Denn dann bieten wir den Ölgesellschaften dieser Welt nicht länger eine Handhabe, ihre fahrlässigen Verhaltensweisen unter dem Vorwand der sogenannten „Verbrauchernachfrage“ rechtfertigen zu können. Zweifelsfrei ein Gedanke, den man sich durch den Kopf gehen lassen sollte.

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3 Kommentare
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  1. […] aus denen der Index gebildet wird: Der Medien-Indikator fiel von 58 auf 31 Punkte, woran auch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nichts änderte. Dr. Malte Friedrich, Projektleiter des Klima-Barometers vom Institut für […]

  2. […] Ölkatastrophe der Deepwater Horizon hatte eine der schlimmsten Verschmutzungen der Natur sowie den qualvollen Tod tausender Seevögel […]

  3. […] einem Jahr sank die Deepwater Horizon Ölbohrinsel im Golf von Mexiko und in den darauf folgenden 3 Monaten strömten aus dem Leck mehr als eine Milliarde Liter Erdöl […]